Alte Menschen erzählen.
Theodor Meyer-Neunteufel
Theodor Meyer-Neunteufel kam 1922 in Wiener Neudorf zur Welt. Als junger Mann wurde er eingezogen; 1944 kam er in US-Gefangenschaft. Nach seiner Rückkehr nach Österreich nutzte er seine Englischkenntnisse: zunächst arbeitete er als Buchhalter in einem US-amerikanischen Offiziersclub auf einem Militärflughafen; später wechselte er in die Filmbranche und wurde Buchhalter bei Columbia Pictures. 1964 ging er für Columbia nach Deutschland; seither lebt er in München. Seit 20 Jahren ist Theodor Meyer-Neunteufel in Rente. Ihn zwang ein Unfall, die eigene Wohnung aufzugeben. 2002 war er gestürzt, lag die ganze Nacht eingeklemmt zwischen Kommode und Tisch. „Zum Glück wollte mich am nächsten Tag jemand abholen; als ich nicht aufgemacht habe, hat man die Rettung verständigt.” Im Krankenhaus sagte ihm ein Arzt, dass er ohne Betreuung nicht weiter allein würde wohnen können.
Also siedelte Herr Meyer-Neunteufel ins Pflegeheim um. Heute schätzt er die Ruhe, trifft sich lieber in kleiner Runde. Weil seine Sehkraft nachgelassen hat, kann Herr Meyer-Neunteufel nur noch wenig lesen. Rätseln geht noch, zum Glück. „Ich bin ein Rätselauflöser.” Er sieht viel fern. „Tierfilme. Keine Krimis, keine Liebesgeschichten.” Und er hört gern Musik. „Volksmusik. Popmusik mag ich gar nicht.” - Rainhard Fendrich aber schon.
Theodor Meyer-Neunteufel über
Hildegard Kehrer
Auch Hildegard Kehrer lebt im Hans-Sieber-Haus. Glücklich, so sagt die 87-Jährige, sei sie seit dem Tod ihres Mannes nicht mehr. Aber zufrieden. Ob ihr der Umzug ins Altenheim vor einigen Jahren schwer gefallen sei? „Nein, mir nicht”, sagt sie. „Und auch meinem Mann nicht. Er hat gesagt: Mit Dir gehe ich überall hin ...”. Früher hatte Hildegard Kehrer selbst in einem Heim gearbeitet, in der Wäscherei; ihr hatte der enge Kontakt zu den Bewohnern gefallen. Heute, sagt sie, sei die Zeit für Gespräche begrenzt. Doch mit ihrer offenen, spontanen Art schließt sie leicht Kontakte. Besonders genießt sie den Austausch mit jungen Menschen. „Ich öffne mein Herz für andere, dann kommt mir Herzlichkeit entgegen.”
Über ihr Leben heute und ihre Perspektiven sagt sie: „Ich habe nie geglaubt, dass ich so alt werde. Es gab auch Zeiten, da dachte ich, ich wollte sterben. Heute bin ich froh, dass ich doch noch leb'. Große Pläne habe ich nicht mehr. Ich wünsche mir, dass ich so bleib' wie bisher. Und sollte es mir einmal schlechter gehen ... ich bin keine Jammerin.”
Hildegard Kehrer über
Franz Kammergruber
Franz Kammergruber wuchs in München auf. Er machte eine Bäckerlehre, war Soldat. Vor seiner Rente wurde er „Stadterer”, arbeitete für die Stadt München als Lastwagen-Chauffeur. Unternehmungslustig war er zeitlebens. Im Rentenalter zog es ihn zu neuen Abenteuern und er verdingte sich als Senner auf einer Alm bei Lenggries, hütete mehrere Sommer lang Rinder und Pferde.
Herr Kammergruber hat eine Tochter und einen Sohn; seine Frau lebt nicht mehr. Noch im hohen Alter hatte er für sich und seine behinderte Tochter ganz allein den Haushalt organisiert, geputzt, gewaschen, gekocht. Dann riss ihn ein Schlaganfall aus seinem selbständigen Leben. Nach der Behandlung im Krankenhaus und einer Reha-Klinik stand fest, dass er nun selbst auf Hilfe angewiesen bleiben würde. 2004 bezog er ein Apartment im Hans-Sieber-Haus des Münchenstifts: „Ich kann ja fast nichts mehr machen, mit der gelähmten Hand. Kein Hemd anziehen, kein Schuhband binden. Das lässt mich manchmal verzweifeln.”
Welche Wünsche hat Franz Kammergruber? „Keine. Was soll ich mir wünschen? Ich mache es mir selber so leicht es nur gerade geht.” Der 88-Jährige ist diszipliniert, steht früh auf, geht spazieren, erledigt allein, was auch immer er selbständig tun kann. Und er freut sich über Besuche: „Ich habe das große Glück, dass eine freiwillige Helferin mich zweimal in der Woche besucht. Sie ist großartig, sie macht mit mir sogar einen Ausflug, wenn ich Geburtstag habe. Sie sagt zu mir: `Franzl, pack ma's', dann gehen wir Karten spielen ... Sie ist ein richtiger Engel.”
Franz Kammergruber über